Welpenernährung

Sie haben sich für einen Dobermann entschieden, und möchten etwas darüber wissen, wie Sie den Welpen am Besten aufziehen sollten. Hier einige Gedankenansätze zur Ernährung von Welpen und Hunden:

Zum einen wegen ernährungsbedingter HD und Magendrehung, aber auch wegen der schlechten Qualität der üblichen Fertigfuttermittel, füttere ich meine Hunde frisch, nass und gekocht, so wie Hunde jahrtausendelang gefüttert wurden, bevor es Fertigfuttermittel gab, die letztlich lediglich eine Entsorgung des für den menschlichen Verzehr ungeeigneten Abfalls aus der Nahrungsmittelproduktion sind. Sehr gute Infos hierzu findet man z.B. auf der Barferseite, auf der sich auch gute Tips dazu finden, was man alles Hunden füttern kann.

Allerdings bin ich persönlich kein Anhänger der reinen Rohfütterung, gerade beim Fleisch, und halte mich dran, was mein Tierarzt mir zu dem Thema nach längerer Diskussion sagte: “die Zusammensetzung ist beim Barfen ok, aber es gibt eine Reihe Keime/Infekte, die von rohem Fleisch übertragen werden und bei Zuchthunden zum Problem werden. Kochen Sie’s einfach.” Ergo gibts bei mir die gleichen Zutaten wie beim Barfen, aber eben gekocht.

Der Einfachheit halber habe ich alle Welpen auf den Abgabetermin hin dennoch auf hochwertiges Fertigfutter eingestellt, einfach deshalb, damit die Welpenneubesitzer bei all der auf sie (und den Welpen) zukommenden Aufregung erst einmal eine oder zwei Wochen Zeit haben, sich langsam an das empfohlene Kochen zu gewöhnen. Hierbei verwende ich kein normales Fertigfutter, sondern als Fleischanteil das Dosenfutter “Rinti”, das aus 100% schierem und unverarbeiteten, nur gekochtem Fleisch ist, völlig vergleichbar mit Frischfleisch, und als Gemüse/Kohlehydratanteil “Matzinger Gemüseflocken zur Beifütterung zu Fleisch”. Auch hierin sind keine Abfallstoffe enthalten.

Darauf aufbauend lassen sich dann langsam Variationen einbauen. Damit zu dem, was man füttern kann:

Proteine

Fleisch und Innereien vom Rind, Kalb, Pferd, Schaf, Ziege, Geflügel, Wild (nicht vom Schwein!)
Fisch (gerade bei Welpen bitte ohne Gräten)
Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir, Dickmilch, Quark, Hüttenkäse, Käse
Eier (roh ohne das Eiweiß, gekocht ganz)

Anmerkung: Pferde- und Rindermuskelfleisch sind sehr mager und würden als alleinige Proteinquelle sehr einseitig sein, da der Hund auch Fette zur Verdauung benötigt.

leichte Kohlehydrate

Gemüse wie z.B. Broccoli, Karotten, Blattsalate, Zucchini (nicht: Kohl, Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, Avocados!)
Obst wie z.B. Äpfel, Banane, Birnen (Obst füttere ich meistens roh, gewürfelt oder gerieben)

schwere Kohlehydrate

Reis
Kartoffeln (geschält gekocht)
Nudeln
Haferflocken

notwendige weitere Zutaten

Knorpel (weiche Rippe von Kalb und Rind)
Knochen (Sandknochen, z.B. Rinderhüfte)
fein geriebene Eierschalen
etwas Olivenöl (oder Distelöl)

gute Zutaten für Fell und Verdauung

Olewo (www.olewo.de oder bei Freßnapf und guten Futtermühlen)
DHN Algen und Kräutermischung (bei www.barfers.de)
DHN Calciumcitrat oder Calciumcarbonat (wenn man nicht unbedingt Knochen und Eierschalen füttern will) (bei www.barfers.de)

Während der Welpenaufzucht habe ich Olewo gefüttert und empfehle dies unbedingt weiter zu tun.

Die Verteilung beim Welpen sollte bei 50% Proteinen und 50% Kohlehydraten liegen, letztere wiederum sollten aus einer Hälfte Gemüse/Obst und einer Hälfte schweren KH bestehen.

Wichtig ist eine ausgeglichene Verteilung und Menge von Calcium (1,2):Phosphor(1). Fleisch, aber auch z.B. Haferflocken und noch einiges andere enthält weit mehr Phosphor als Calcium, dies muß man ausgleichen. Entweder man füttert in ausreichender Menge geriebene Eierschalen, Knorpel und Knochen zu, auch grüner Blattsalat enthält viel Calcium, oder man gibt etwas Calciumcitrat ins Futter. Übertreiben sollte man jedoch nicht, denn auch ein Zuviel an Calcium ist sehr schädlich.

Die Welpen sind bei der Abgabe 5 Mahlzeiten am Tag gewöhnt. Dies sollte man langsam bis zum Alter von 12 Monaten auf mindestens immer noch 2 Fütterungen am Tag verringern. Je häufiger kleinere Portionen gefüttert werden, desto unwahrscheinlicher wird eine Magendrehung, die übrigens auch und vor allem durch Fertigtrockenfutter hervorgerufen wird (weshalb ich nur noch selbst gekocht füttere).

Von ernährungsbedingter HD wird gesprochen, wenn der Welpe durch Überfütterung zu früh zu viel Gewicht auf seine Gelenke bringt. Auch eine massive Überversorgung mit Calcium kann derartige Schäden hervorrufen. Generell ist zu sagen, daß man Welpen nicht überfüttern sollte. Ein bischen die Rippen fühlen können, muß man. Fette Welpen sind träger, sie überbeanspruchen Gelenke und Sehnen und wachsen viel zu schnell. An der Endgröße eines Hundes ändert massive Fütterung ohnehin nichts, es forciert nur das Wachstum.

Futtermengen

Füttern Sie mit Auge, Ohr und Uhr!

Was ein Hund nach 10-15 Minuten nicht aufgegessen hat, sollten Sie ihm wegnehmen, nicht etwa im Napf stehen lassen. Als Mengenrichtschnur für eine einzelne von 4 oder 5 Mahlzeiten am Tag bei einem 8-10 Wochen alten Welpen nehmen Sie eine normale Tasse (kein riesiger Becher, aber auch keine Miniteetasse) Proteinanteil (z.B. eben anfangs das Rinti) und eine 3/4 normale Tasse Kohlehydratanteil (z.B. Matzinger Flocken). Beobachten Sie Ihren Hund, frißt er es zügig und mit gutem Hunger und sieht danach nicht aus wie ein wandelnder Fußball, spielt er hinterher noch eine halbe Stunde fröhlich, dann ist die Menge richtig! Scheint er aber hinterher aufgebläht oder gar zu “platzen”, legt sich sofort hin und schläft, wars zuviel ;-) . Und zu wenig ist es, wenn das Bäuchlein so garnicht gefüllt aussieht und er anfängt auf Futtersuche zu gehen.

Je älter der Hund wird, desto weniger soll sein Bauch “rund” sein nach der Fütterung, auch wenn sie die Menge mit der Zeit ein wenig erhöhen, denn der Magen wird im Verhältnis zum Körper mit dem Wachstum “kleiner”. Ein 6 Monate alter Junghund, den man nach der Fütterung rollen könnte, hat eindeutig zu viel intus!

Von 5 auf 4 Mal können Sie wechseln wenn der Hund beginnt, deutlich langsamer zu fressen, oder kein großes Interesse mehr an der 5. Mahlzeit zeigt. Das wird mit 12-14 Wochen normalerweise der Fall sein. Mit circa 6 Monaten können Sie auf 3 Mal reduzieren und mit 12 Monaten auf 2 Mal.

Wasser

Stellen Sie dem Welpen mindestens tagsüber ständig frisches Wasser zur Verfügung. Gerne wird auch ab und zu ein nicht mehr heisser Fencheltee genommen, der besonders bei Verdauungsproblemen hilfreich sein kann. Sie können das Wasser ab 20-21 Uhr abends wegstellen, dann mit dem Welpen noch einige Male zum Wasserlassen vor die Tür gehen, um ihm zu erleichtern, nachts keine “Unfälle” zu fabrizieren. Spätestens ab 5-6 Uhr morgens sollte dann aber wieder Wasser zur freien Aufnahme vorhanden sein. Wenn Sie die Unfälle nachts nicht stören, oder Sie ohnehin auch noch spät abends und früh morgens mit dem Welpen vor die Tür gehen, lassen Sie es ihm rund um die Uhr.

Fütterungstips

In den ersten 6-8 Monaten gibt es wenig Wichtigeres (für den Erhalt des Haushaltsmobiliars und die Kleidung des Welpenhalters), als dem Hund in ausreichender Menge Kauobjekte zur Verfügung zu stellen! :-D

Kleine Kauknochen (die Röllchen aus Rohhaut), getrockneter Pansen abgewechselt mit getrockneter Lunge, getrocknete Lammohren und getrockneter Ochsenziemer (gute Qualität suchen!) sind gute Kauobjekte für den jungen Welpen. Wenn er beginnt die Röllchen in immer kürzerer Zeit aufzufressen, kann zur nächsten Größe gewechselt werden (und zur nächsten und nächsten… ;-) ).

Echte Knochen sollten für den Welpen entweder Knorpelknochen sein, oder Kalbsrippchen mit Fleisch dran, die er noch nicht zerkauen kann und später, ab dem Durchzahnen, Sandknochen. KEINE Knochen nehmen, die nach dem Kochen splittern können, also keine Geflügel- und Röhrenknochen. Vorsicht mit Rinderscheiben, wenn die Öffnung im Markknochen gerade so groß ist, daß ein Kiefer durchpasst, kann sich dieser Abschnitt festkeilen und man muß zum Tierarzt zum Auslösen.

Sauerkraut ist ein regelrechtes Allheilmittel für Verdauungsprobleme durch Verschlucken von Nichtverdaulichem. Außerdem ist es gesund und vitaminhaltig. Man kann einem Welpen ab ca. 12 Wochen also durchaus eine Portion Sauerkraut pro Woche reichen, mit etwas Butter oder Olivenöl verfeinert ;-) , als Ersatz für eine Mahlzeit, um Knochen- und Holzsplitter, aber auch kleine Plastikteilchen usw. harmlos durch den Verdauungstrakt zu schleusen. Das Sauerkraut wird vor dem Verfüttern gekocht, allerdings nicht zu weich, es muß sich um die Fremdkörper noch herumlegen können.

Junge Hunde haben ein für den Menschen oft “unerklärliches” Bedürfnis danach, Kot von anderen Spezies aufzunehmen. Tatsächlich versuchen sie so, ihre Enzyme und Bakterienstämme im Darm aufzustocken. Das ist jedoch nicht nur für uns ziemlich unappetitlich, wenn der Welp aus dem Maul nach Schafkacke stinkt, er erwischt so gelegentlich auch durchaus Erreger und Wurmlarven. Man kann stattdessen auch Harzer oder Limburger Käse füttern, wenn man bemerkt daß der Hund Kot sucht und frißt. Den Harzer gibts in Rollen, mit 4 Laibchen, ein solches einzelnes Laibchen am Tag für 4-5 Tage ist nicht zuviel. An diesen Tagen reichlich Wasser vorhalten und auch nicht zuviel davon auf einen Schlag füttern, der Käse ist salzig. Nach 1-2 ganzen Rollen insgesamt, verteilt auf einen Monat oder 6 Wochen, sollte die Kotfresserei aufhören.

Harzer und Edamer lieben Hunde abgöttisch, sie sind auch gut als “besondere” Leckerli geeignet, wenn man etwas nicht leicht Erlernbares sehr belohnen möchte.

Statt der teuren Leckerlis aus dem Futtermittelregal gibt es eine Reihe günstigerer, aber auch besserer Varianten:

- einzelne Frolicringe (ist weitaus günstiger und nicht ganz so gehaltvoll)
- getrocknete Vollkornbrotstücke
- gekochte Hähnchenherzen (besonderes Lecker!)
- gekochte Stücke Leber (besonderes Lecker!)
- Käsewürfel
- selbstgebackene Hundekekse

Rezepte

1. Schonkost

Reis mit Hüttenkäse

Reis weichkochen und 1:1 mit Hüttenkäse mischen. Da der Käse bereits leicht gesalzen, braucht der Reis nicht in gesalzenem Wasser gekocht werden. Handwarm bzw. mit mindestens Zimmertemperatur servieren

Reis mit Hühnchen

Reis in leicht gesalzenem Wasser weichkochen und 1:1 mit gekochtem Hühnerfleisch mischen. Für Schonkost die fetten Teile wie zB die Haut weglassen.

Reis mit Fisch

Reis in leicht gesalzenem Wasser weichkochen und 1:1 mit gekochtem Fisch (z.B. Alaskaseelachs- oder Schollenfilets) mischen. Gräten vorher entfernen.

2. Normalkost

Reis mit Huhn und Salat

Einen Hühnerschlegel kochen, ca. 15 Minuten vor Ende der Garzeit Reis dazugeben und mitkochen lassen, Reis und Schlegel nachdem der Reis weichgekocht ist herausnehmen und in entsprechender Menge grünen Salat kurz im heißen Wasser andünsten, danach auch herausnehmen. Salat grob schneiden, Schlegel entbeinen (= alle Knochen entfernen, mitverfüttert werden können die reinen Knorpelteile und die Haut) und alles zusammen mit dem Reis vermischen. Die Mahlzeit sollte aus 50% Fleisch, 25% Reis und 25% Salat bestehen.

—–> statt Salat kann man z.B. auch frische Karotten, Broccoli oder Zucchini nehmen, diese müssen etwas länger gedünstet werden.

Fisch mit Banane und Flocken

Fisch (Alaskaseelachs, Forelle, Scholle o.Ä.) dünsten, entgräten, reife Banane würfeln, 1 TL Olivenöl oder Distelöl dazugeben, alles mit Vollkornhaferflocken (oder Matzinger Gemüseflocken) mischen, etwas Sud vom Fisch darübergeben. Hat man einen ganzen Fisch, kann man diesen filettieren und das entgrätete Rückgrat hacken und mit untermischen. Das Verhältnis sollte 50% Fisch, 25% Banane und 25% Flocken betragen.

—–> statt Fisch kann man auch Magerquark, Reibekäse, Yoghurt oder Hüttenkäse nehmen
—–> statt Banane geht auch Apfel oder Birne

Nudeln mit Fleisch, Knorpel und Gemüse

1 Stück Lunge kochen, Vollkornnudeln und weiche Rippe (=Knorpel) nach halber Garzeit mitkochen, zuletzt Gemüse (Karotten oder Zucchini) dazugeben und andünsten. Lunge und Knorpel grob würfeln (passend zum Welpen und seinem Beißvermögen), Gemüse grob hacken, mit den Nudeln mischen, 1 TL Olivenöl dazugeben. Hat man einen Fleischwolf, kann man auch Lunge und Knorpel durch den Wolf drehen. Das Verhältnis sollte 25% Knorpel, 25% Fleisch, 25% Gemüse und 25% Nudeln betragen.

—–> statt Lunge kann man auch zB Rindfleisch, Pferdefleisch o.Ä. nehmen
—–> statt Nudeln kann man auch vorher geschälte Kartoffeln (Kartoffeln immer kochen und vorher schälen!) nehmen

Grüner Pansen (und Lunge/Herz) mit Reis

Pansen ist sehr fett, deshalb eignet er sich gut dazu ihn mit der mageren Lunge oder dem ebenso mageren Herz zu mischen. Man kann ihn aber auch alleine mit Reis anbieten. Wers geruchsmäßig nicht aushält, sollte Pansen draußen garen, wenn man ihn jedoch ganz frisch vom Schlachter holt, riecht er lange nicht so unangenehm, wie gefrorener Pansen. Pansen kochen (evtl. zusammen mit Lunge oder Herz), Reis getrennt in leicht gesalzenem Wasser weich kochen. Pansen (oder halb Pansen, halb Lunge/Herz) 1:1 mit Reis mischen.

—–> statt ausschließlich Reis kann man auch halb Reis, halb grünen gedünsteten Salat geben
—–> statt Reis kann man auch Kartoffeln geben (s.o.)

Quark mit Ei und Obst und Flocken

Magerquark mit entweder 1 rohen Eigelb oder einem gekochten Ei vermengen, gehackten Apfel oder Banane und Vollkornflocken daruntermischen. Die (vorher) gewaschene Schale des Eis kann mitverfüttert werden, dazu fein zerhacken. Ei plus Quark sollten 50% Anteil betragen, Obst und Flocken ebenfalls 50%.

—–> statt Quark kann man Yoghurt, Hüttenkäse oder Dickmilch nehmen.

In Zeiten des Internets ist es nun auch möglich, vorportioniertes, tiefgefrorenes Frischfleisch zu bestellen, für alle die ihre Hunde bekochen oder barfen lassen, und keinen guten Schlachter vor Ort haben. Einige der unter Züchtern empfohlenen Quellen hier:

www.frostfleisch.de

www.pansenexpress.de

www.tackenberg.de

September 2010
MDM DFSS
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